Aus der Generalversammlung vom 13. Mai

Übergabe der Domräume verzögert sich erneut

Nachdem die Sitzung im April wegen der Pandemie abgesagt wurde, kamen wir im Mai wieder zusammen, allerdings nicht wie üblich im Sitzungsraum in Halensee sondern im Kirchsaal, um den gebührenden Abstand voneinander einhalten zu können. Die ungewohnte Sitzordnung hat der Diskussionsfreudigkeit keinen Abbruch getan. Wie im Gottesdienst so haben wir auch zu Beginn der Sitzung auf das gemeinsame Singen verzichtet. Zum ersten Mal war Pfarrer Ulrichs dabei, allerdings nur zu Gast, da er seinen Dienst in der Gemeinde erst im Juni antritt. Da er die nächste Sitzung im Juni schon gleich als modérateur leiten muss, hat er schon mal einen Einblick erhalten, wie das bei uns läuft. Die wichtigste Regel für den modérateur: Um neun ist Feierabend, bis dahin muss alles abgearbeitet sein. Das haben im Mai trotz einer umfangreichen und gewichtigen Tagesordnung geschafft.
Zur Diskussion und Beschlussfassung standen nämlich mehrere Vertragswerke, die uns das Kuratorium der Französischen Friedrichstadtkirche vorgelegt hat. Unsere Französische Friedrichstadtkirche ist ein Haus für viele. Als Kirche wird sie von drei Gemeinden genutzt (Hugenottengemeinde, Ev. Kirchengemeinde in der Friedrichstadt und Communauté francophone), bisweilen auch von der EKD. Als Veranstaltungsraum wird sie von der Evangelischen Akademie genutzt und von der „Besondere Orte GmbH“ für diverse Veranstaltungen vermietet. Die vielfältigen Nutzungsinteressen werden vom Kuratorium durch vertragliche Regelungen zum Ausgleich gebracht. Auf diese Weise ist es schon in den letzten Jahren zu einem weitgehend konfliktfreien Miteinander der verschiedenen Institutionen gekommen.
Im Zuge der Neuverpachtung des Restaurants mussten auch der Vertrag für die Geschäftsbesorgung und für das Veranstaltungsmanagement neu geregelt werden. Mit der Geschäftsbesorgung (Betriebskosten- und Facilitymanagement) wurde der Servicebetrieb des Ev. Johannesstifts beauftragt, das Veranstaltungsmanagement soll weiterhin die „Besondere Orte GmbH“ betreuen. Dafür wurde ein neuer „Nutzungsüberlassungsvertrag“ ausgehandelt, den wir gebilligt haben. Vergaberichtlinien legen fest, für welche Art von Veranstaltungen unsere Kirche gemietet werden kann und wie dabei mit dem Kirchenraum umzugehen ist. Mit diesen Fragen hat sich das Consistorium in einer Klausurtagung im Herbst 2018 eingehend befasst. Das Kuratorium ist bereit, einige Präzisierungen, die wir in der Klausur an den bestehenden Vergaberichtlinien vorgenommen haben, zu übernehmen. So sollen neben dem Verbot von Verkaufsveranstaltungen und parteipolitischen Veranstaltungen auch Veranstaltungen von Parteienstiftungen vor Wahlen nicht möglich sein. Außerdem sollen bei Vermietungen nicht die Kanzel und die Liedtafeln verdeckt werden und die Plakate der Gemeinde im Eingangsbereich nicht abgehängt werden.
Beschlossen haben wir außerdem die Nutzungsordnung, nachdem sie zuvor intensiv zwischen „Besondere Orte“, Kirchenmusikdirektor Nauhaus und uns beraten worden war. Diese Ordnung legt fest, dass an Sonn- und Feiertagen und an besonderen Werktagen, wie etwa dem 29. Oktober, nur die Gemeinden in der Kirche sind bzw. nur nach Freigabe durch die Gemeinden vermietet werden kann. Die Ordnung legt auch fest, welche und wie viele Werktage für die Kirchenmusik reserviert sind. In der Regel werden sich künftig kirchliche und kirchenmusikalische Veranstaltungen um das Wochende gruppieren (Fr - Mo) und die Kernwoche (Di - Do) für Vermietungen zur Verfügung stehen. Vor der Wiedereröffnung der Friedrichstadtkirche wollen wir als Gemeinde ein neues Konzept der Citykirchenarbeit ausarbeiten. Darin wird die Kirchenmusik wie bisher eine zentrale Rolle spielen.
Sodann beschäftigte uns das Hugenottenmuseum. Seit einem Jahr arbeiten wir darauf hin, dass uns die Räume im Dom für das Museum im Erdgeschoss und die Verwaltung oben unterm Dach zum 1. Juli übergeben werden können. Ursprünglich war die Fertigstellung der Baumaßnahmen, die Wiedereröffnung des Museums und der Umzug unserer Verwaltung für den Sommer und Herbst letzten Jahres geplant. Dann traten aber große Schwierigkeiten mit einem Gewerk auf, so dass man uns von Seiten der Bauleitung auf den Sommer dieses Jahres vertrösten musste. Und nun haben wir erfahren, dass auch dieser Termin wegen erneuter Probleme mit einem Handwerker nicht zu halten ist. Ein neuer Übergabetermin konnte nicht genannt werden. Wir haben daraufhin all unsere Planungen für die Eröffnung und eine vorlaufende Sonderausstellung eingestellt. Nicht nur die unbestimmte Verzögerung in der Baufertigstellung, auch die Pandemie lassen es derzeit als sehr zweifelhaft erscheinen, dass wir das Museum noch in diesem Jahr werden eröffnen können.
Bereits im letzten Jahr hatten wir eine neue - zunächst befristete - Stelle für das Museum beschlossen. Da das Museum mit der neuen Ausstellung mehr Aktivität entfalten soll als zuvor, muss Herr Violet einen Kollegen oder eine Kollegin zur Seite bekommen. Herr Violet wird sich künftig auf die Bibliothek, das Archiv, die Ahnenforschung, die wissenschaftliche Zuarbeit und die Erhaltung der Sammlung konzentrieren, während die neue Stelle den Betrieb des Museums gestalten und verantworten soll. Wir haben die Stelle ausgeschrieben und 65 Bewerbungen erhalten. Eine erste Runde an Vorauswahlgesprächen wurde geführt, so dass der Generalversammlung einige Bewerbungen präsentiert werden konnten, die wir für geeignet halten. Es werden weitere Gespräche geführt. In der nächsten Ausgabe werden wir berichten können, wen wir für diese Stelle gewinnen konnten.
Leider wird uns Frau Ewald Ende Juni verlassen. Seit vier Jahren betreut sie die Neugestaltung der Dauerausstellung und hat Planung wie Realisierung im Grunde abgeschlossen. Das Projekt sollte längst fertig sein, zögerte sich aber immer weiter hinaus, weil die Innensanierung der Räume wegen unzuverlässiger Handwerker nicht vorankam. Wir mussten daher den befristeten Vertrag mit Frau Ewald immer wieder verlängern. Nun hat Frau Ewald beschlossen, sich beruflich umzuorientieren, weshalb mit der Besetzung der neuen Stelle plötzlich Eile geboten war. Wir bedauern sehr, dass Frau Ewald uns verlässt, bevor die neue Ausstellung realisiert und besichtigt werden kann. Sie hat das Projekt sehr zuverlässig und sachkundig sowie mit außerordentlicher Umsicht und Klugheit vorangebracht. Wir haben ihr viel zu verdanken.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Gemeindeleben und die Gottesdienste wurden kurz angesprochen. Sie sollen ausführlich Thema im Mittwochsconsistorium am 27. Mai sein. Während des ersten „Corona-Gottesdienstes“ mit Abstand, Maske und ohne Gesang in Halensee am 10. Mai hat dann auch die Orgel ihren Betrieb eingestellt. Glücklicherweise konnte der Organist (Michael Ehrmann) auch singen und stellte sofort auf die eigene Stimme um. Der Orgelbauer stellte am Tag darauf die Diagnose: Die Orgel braucht einen neuen Motor. JK

Gemeindeleitung

Die Französische Kirche hat sich 1791 in den Reglements eine Ordnung gegeben, die bis heute in Geltung ist. Die Reglements geben der Gemeinde eine Struktur und schreiben die relative Autonomie der Französischen Kirche innerhalb der Landeskirche (EKBO) fest. Das aus berufenen Gemeindemitgliedern (Anciens / Anciennes) und den Pfarrern zusammengesetzte Consistorium leitet die Französische Kirche. Das Consistorium kommt jeden zweiten Mittwoch im Monat zur Generalversammlung zusammen. In nicht öffentlicher Sitzung werden vor allem finanzielle und personelle Angelegenheiten beraten. Vier mal im Jahr kommt das Consistorium in öffentlicher Sitzung als Mittwochsconsistorium zusammen, um die Gemeindearbeit zu beraten und zu planen. Die Schwerpunktthemen des Mittwochsconsistoriums sind: Jahresplanung, Gottesdienst und Liturgie, Kinder-, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Diakonie und Mitgliederpflege. In der Regel im September wird die Gemeindeversammlung einberufen. Sie nimmt Berichte entgegen und entscheidet über wesentlich Belange, die ihr vom Consistorium vorgelegt werden. Die zur Zeit 18 Mitglieder de Consistorium (Compagnie) werden für in der Regel 6 Jahre berufen, können aber wiederberufen werden. Die Pfarrer wechseln sich nach jeder Sitzung der Generalversammlung im Amt des Modérateurs ab, der mit dem von der Generalversammlung bestimmten Secrétaire die Geschäftsführung übernimmt. Secrétaire, Trésorier und der Secrétaire der Bau- und Finanzkommission überwachen die von der Landeskirche unabhängige Finanzverwaltung der Französischen Kirche. Die Arbeit der Generalversammlung wird von folgenden Kommissionen vor- und nachbereitet: Bau- und Finanzkommission, Kommission für das Gemeindeleben, Kirchhofskommission und Kommission für Museum, Bibliothek und Archiv.

Die Reglements der Französischen Kirche und ihre Überarbeitung


Nach mehrjährigen Vorarbeiten legt das Consistorium der Französischen Kirche zu Berlin der Gemeindeversammlung (früher: Familienhäupterversammlung) eine überarbeitete Fassung der Reglements vor. Es ist dies die erste grundlegende Überarbeitung seit der schriftlichen Fixierung der Reglements Ende des 18. Jahrhunderts.
Am 7. März 1791 hat die Familienhäupterversammlung Reglements für die Compagnie des Consistoriums der Französischen Kirche zu Berlin entgegengenommen. Schon 1778 hatte eine Commission begonnen, einzelne Ordnungen zu sammeln. Ab 1783 machte sich eine dreißigköpfige Commission ernsthaft an die Arbeit. Drei Jahre später wurde wieder eine nun etwas kleinere Commission gebildet, um noch die Punkte zu lösen, für die die vorherige Commission keine einvernehmliche Lösung finden konnte. Diese Arbeit zog sich bis 1791 hin.
In Anbetracht der langwierigen und nicht ganz glücklichen Geburtswehen kann man verstehen, dass in den folgenden Jahrhunderten bis heute notwendig erscheinende Änderungen an den Reglements nur vorsichtig vorgenommen wurden. Diese sind in der 1876 veröffentlichten deutschen Übersetzung der Reglements vermerkt worden, die inzwischen notwendig geworden war und den allgemeinen Sprachwechsel innerhalb der Gemeinde vom Französischen ins Deutsche dokumentiert. Änderungen nach 1876 wurden zwar protokolliert, nicht aber systematisch erfasst. In der überarbeiteten Fassung sind sie nach Möglichkeit berücksichtigt.
Obwohl die Französische Kirche zu Berlin im Lauf von über zwei Jahrhunderten alle ihre diakonischen und pädagogischen Institute abgeben oder schließen musste und obwohl sie ihre Beziehungen sowohl zur Evangelischen Kirche als auch zum Staat in seinen verschiedenen Gestalten (Monarchie und unterschiedliche Republikformen) jeweils neu regeln musste, hat sie es vermieden, die Reglements den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Nicht in erster Linie deshalb, weil die meisten Reglements mit dem Verlust der sie betreffenden Einrichtungen obsolet geworden sind, sondern vor allem darum, weil einige der noch angewandten Reglements unklar oder schwer zu handhaben waren, wurde die jetzt vorgelegte Überarbeitung notwendig. So mussten z.B. schon vor einiger Zeit das Verfahren zur Berufung der Anciens und Anciennes in das Consistorium und die Richtlinien zur Pfarrwahl präzisiert werden. Pfarrer i.R. Tilman Hachfeld hat in mühevoller Kleinarbeit eine Rohfassung der Überarbeitung vorgelegt, die dann von einer Arbeitsgruppe des Consistoriums in drei Jahren durchgesehen wurde. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörten außer Pfar-rer Tilman Hachfeld noch Pfarrerin Meike Waechter, Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, sowie die Anciens Herr Wolf-Rü-diger Bierbach (Secrétaire), Herr Daniel Er-man (Secrétaire des Diaconats) und zeitweise Frau Gisela Maresch-Zilesch und Frau Olga Venter-Mex.
In der nun vorliegenden Überarbeitung sind alle Passagen ausgelassen, die sich auf Institutionen der Französischen Kirche zu Berlin beziehen, die es nicht mehr gibt (Hospital, Kinderhospital, Waisenhaus, École de Charité, Hôtel de Refuge, Maison d'Orange, Collège, theologisches Seminar, Armenbäckerei, Marmite). Allein dies erklärt, warum die überarbeitete Fassung so viel kürzer ausfällt als die deutsche Fassung von 1876.
Für die noch bestehenden Leitungsgremien der Französischen Kirche zu Berlin (Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium, Diaconat und Commissionen) wurden die Reglements in der Fassung von 1876 soweit als möglich übernommen. Aber auch hier mussten einzelne Bestimmungen, die nicht mehr im Gebrauch sind, weggelassen bzw. durch neue ersetzt werden. Außerdem stellt die Überarbeitung die Bestimmungen in einer anderen, heute einleuchtenderen Systematik zusammen: Zunächst werden die Gremien behandelt: Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium und Diaconat. Dann folgen die Geschäftsordnungen, dann die Wahl- und Berufungsordnungen und die Reglements, die die finanziellen Angelegenheiten betreffen. Die Überarbeitung schließt mit allgemeinen Bestimmungen zum Schutz der Reglements.
Das Consistorium hat sich bewusst dafür entschieden, die alten Reglements nicht durch neue zu ersetzen, sondern sie durch eine Durchsicht und Überar-beitung an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Dies geschah nicht nur im Hinblick darauf, dass die Reglements durch die Grundordnung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Art. 37, Abs. 3) in ih-rem Bestand garantiert werden. Vor allem wurde diese Entscheidung von der Überzeugung geleitet, dass die alten Reglements nicht allein sinnvolle und bewährte Richtlinien enthalten, sondern auch die Grundsätze reformierten Gemeindeverständnisses, wie sie vor allem von Jean Calvin formuliert worden sind, in gelebte Praxis umsetzen. So nahmen von Anfang an die Ältesten in verschiedenen Ämtern kirchenleitende Aufgaben wahr. An keiner Stelle gehen die Reglements von einem Gegenüber von Pfarrer und Ältesten aus; vielmehr sind die Pastoren und Pastorinnen („Prediger“) in die Compagnie des Consistoriums integriert. Gerade dieser reformierte Geist der Reglements bestärkt uns in der Zuversicht, dass die Französische Kirche zu Berlin mit ihren „ehrwürdigen“ Reglements auch in Zukunft eine lebendige Gemeinde sein wird.
Die vorliegende Überarbeitung der Reglements ist also als eine Anpassung der bestehenden Reglements an die heutigen Gegebenheiten zu verstehen. Sie setzt kein neues Recht, sondern bewahrt den Geist und den Buchstaben der alten Reglements. Dies führt in der Überarbeitung zu einem Nebeneinander von alten und neuen Textabschnitten. Man wird dies beim Lesen am unterschiedlichen Stil erkennen. Die alten Passagen fallen durch ihre etwas umständliche Art auf, während die neueren am heute üblichen, nüchterneren Stil erkannt werden. Die stilistische Uneinheitlichkeit ist der Preis des Prinzips, so viel als möglich zu erhalten und nur so viel wie nötig zu erneuern.
Mit der Überarbeitung der alten Reglements drückt das Consistorium die Überzeugung aus, dass die Französische Kirche zu Berlin im lebendigen Umgang mit ihrem Erbe eine solide Basis für eine segensreiche Zukunft findet.  JK

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